Eine Lesbe kommt selten allein

Achpapperlapap Podcast

Deine Geschichte. Von dir erzählt. Von uns geschrieben.

Marie ist 26 und lesbisch. Zusammen mit ihrer Partnerin Juli macht sie seit 2019 den Podcast „Ach, Papperlapapp“. Sie knibbelt an den Nägeln und verwirrt durch Selbstgespräche so manche anwesende Person, die sich dann angesprochen fühlt.

DAS IST MEINE GESCHICHTE

“Frauen sind attraktiver und ich möchte sie viel lieber küssen als Männer – und dann hab’ ich es einfach gemacht.”

HA! Gayyyyy

Ich war ein rebellischer Teenager. Ich hatte eine waschechte Emo-Phase und einen älteren Freundeskreis, in dem auch schon Leute geoutet waren. Als ich also mit 13/14 festgestellt habe, dass mir Mädchen einfach besser gefallen, kam ich persönlich direkt damit klar. Zu der Zeit habe ich – typisch Teenager – nicht wirklich viel mit meinen Eltern gesprochen, als sie dann also über die Mutter einer Freundin erfahren haben, dass ich ein Mädchen date, wussten sie erst nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie haben mir dann erstmal einen Therapeuten organisiert, einfach um sicherzugehen, dass ich damit klar komme und um einen Ansatz dafür zu haben, wie sie am besten mit mir darüber reden. Damals fand ich das sehr nervig, aber heute weiß ich, dass ihnen einfach wichtig war, dass ich mich selbst akzeptieren kann. Da ich aber von Anfang an cool mit der ganzen Sache war, hatte sich die Therapiegeschichte schon nach zwei Treffen erledigt gehabt. 

Auch ansonsten wurde mein Outing gut aufgenommen von Freunden und Familie. Einige Mitschüler konnten es nicht lassen, ein paar dumme Sprüche rauszuhauen, aber ich hatte nie Probleme da zu kontern, weil ich auch einfach immer das Selbstbewusstsein dazu hatte.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Im Nachhinein hätte ich mich bei meinen Eltern gerne selbst geoutet.Ich finde es schade, dass mir diese Möglichkeit genommen wurde. Es hätte vermutlich auch einfach ein anderes Vertrauensverhältnis geschaffen, hätten es meine Eltern von mir erfahren. Ich war selbst noch voll dabei meine eigene Sexualität zu entdecken, als sie es über Ecken erfahren haben.

Ansonsten würde ich alles genauso machen. Ich würde es wieder in die Welt hinausschreien, weil es mir super krass in meiner Entwicklung geholfen hat und mir auch gezeigt hat, welche Menschen damit klar kommen und welche nicht, und welche gut für mein Leben sind und welche dementsprechend halt auch nicht. 

Unterstützung von außen

Ich glaube, einer der Hauptgründe, dass ich auch von Anfang an das nötige Selbstbewusstsein hatte, zu mir und meiner Sexualität zu stehen und so gelassen damit umgehen zu können, war, dass ich schon LGBTQ-Menschen in meinem Freundeskreis hatte. Wenn man mit seiner Sexualität hadert, ist es wichtig, Kontakt zu Menschen aus der Community aufzunehmen, die die eigene Situation nachvollziehen können und einem zeigen, dass man nicht allein ist. Deshalb macht es mich immer so glücklich, wenn uns Leute schreiben, wie sehr ihnen unser Podcast geholfen hat. 

Ach, papperlapapp Liebe

Juli und ich kennen uns bestimmt schon seit zehn Jahren, aber lange Zeit nur vom Sehen. Man traf sich halt ab und zu auf Partys. Wiedergefunden haben wir uns dann irgendwann übers Internet. Juli hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass sie mich eigentlich kennt und wollte ein paar Sprüche testen:
„Naa, hat es für Elitepartner auch nicht gereicht?“
Ich kannte sie aber schon noch:  „Hey, bist du nicht die Ex-Freundin von …?“

Dann ging es mit uns beiden aber recht fix voran. Am Anfang – typisch frisch verliebt – war Juli eigentlich rund um die Uhr bei mir. Sie befand sich auch ein bisschen zwischen zwei Wohnsituationen. Dann ist sie in eine WG gezogen. Als dann in der WG noch ein Zimmer frei wurde, entschied ich mich nach Absprache mit ihr dort auch einzuziehen. Wir haben dann aus dem freien WG-Zimmer ein Büro für mich gemacht. Kurzum, wir sind sehr klischeehaft schon nach wenigen Monaten zusammen gezogen.

Am meisten liebe ich an Juli, dass sie absolut selbstlos und extrem hilfsbereit ist. Sie würde für ihre Liebsten alles tun. Auch no questions asked mitten in der Nacht nach Amsterdam fahren, um jemanden dort abzuholen, wenn es sein muss. 

Mein Rat an dich und mein früheres Ich:

Ich glaube, dass viele es vor sich her schieben, sich zu outen. Letztendlich es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, wenn man sich so fühlt, dann ändert sich daran ja nichts, wenn man sich jetzt outet oder erst in drei, vier oder fünf Wochen. Es ist besser für die eigene psychische Gesundheit, sich früh zu outen, aber es ändert nichts am Umfeld. Wenn dein Umfeld heute so denkt, dann wird es morgen noch genauso denken.

Wenn du noch mehr über Marie erfahren möchtest, folge ihrer Instagram-Seite @gold.marie._  oder der ihres Podcasts @achpapperlapapp_podcast! Dir hat diese Story gefallen? Dann erzähl uns deine Geschichte! Von dir erzählt. Von uns geschrieben. Melde dich jetzt bei uns: @yestoeveryone auf Instagram oder via E-Mail info@yestoeveryone.de