Wie Frau liebt

Deine Geschichte. Von dir erzählt. Von uns geschrieben.

Anna ist 24 und bisexuell. Sie macht den Podcast Wiefrauliebt und lässt grundsätzlich in jedem Glas ein paar Schlucke Anstandsrest zurück.

DAS IST MEINE GESCHICHTE

“Ich habe mir diese Szene in Black Swan, wo Mila Kunis und Natalie Portman rummachen, bestimmt tausendmal angesehen und dachte, ich wäre hetero.”

Das ist nicht gay, so denken alle Frauen … oder?

Dass ich bisexuell bin, habe ich eher spät gemerkt. Erst mit 22, als ich das erste Mal etwas mit einer Frau hatte. Dabei hätte ich es eigentlich früher merken können. Ich hatte als Teenager eine Freundin, die auch bisexuell war, und ich fand es eigentlich erstrebenswert, seine Sexualität mit Männern und Frauen ausleben zu können. Auch gab es Filmszenen, die ich mir immer und immer wieder angesehen habe, weil ich sie so toll fand. Dass diese Szenen definitiv nicht hetero sind, kam mir dabei nicht mal in den Sinn.

Ich brauchte auch eine Weile, um mich damit zu identifizieren. Es war noch so in meinem Kopf drin: “Du hattest bisher nur Beziehungen mit Männern, du kannst ergo nur hetero sein.” Dabei weiß ich eigentlich, dass das nicht stimmt. Auch dachte ich lange Zeit, dass alle Frauen andere Frauen attraktiv finden und das einfach normal und bei jedem so ist.

Aber du hast doch einen Verlobten?

Mein Partner und ich sind seit über 5 Jahren zusammen. Obwohl wir uns als Heten kennengelernt haben, unterstützt er mich total. Ich kann meine Sexualität ganz offen ausleben. Aber viele Leute wundern sich natürlich erstmal, wie das gehen soll: Bisexuell sein und dennoch in einer “heterosexuellen” Beziehung. Auch um solche Fragen zu beantworten und allgemein über Bisexualität aufzuklären, habe ich mit meinem Podcast angefangen.

Coming-out

Meine Freunde wissen etwa solange über meine Bisexualität Bescheid wie ich selbst auch. Bei meinen Eltern habe ich mich erst vor kurzem geoutet. Ich wollte, dass sie es von mir erfahren statt aus Versehen dadurch, dass sie auf meinen Podcast stoßen. Und gerade dadurch, dass ich mich durch meinen Podcast so viel mit LGBTQ*-Menschen auseinandergesetzt habe, und die verschiedensten Coming-Out-Geschichten gehört habe, dachte ich es wäre an der Zeit, mal meine eigene zu haben. 

Meine Eltern haben mich sehr offen und tolerant erzogen. Sie haben mir immer gesagt: “Lieb wen du willst, aber pass auf dich auf.” Trotzdem hatte ich Angst es ihnen zu sagen. Ich wusste nicht, ob sie es verstehen würden, da ich ja meinen Verlobten habe. Aber meine Sorgen waren völlig unbegründet. Sie haben es super aufgenommen und ich bin ihnen mega dankbar. 

Bock auf ‘nen Dreier?

Direkte Anfeindungen habe ich bisher zum Glück noch nicht erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit einem Mann zusammen bin. Aber es kam schon vor, dass sich Gruppen von Männern um mich gescharrt haben, wenn ich gerade mit einer Frau auf einer Feier rumgemacht habe und dann dumme Sprüche abgelassen haben. 

Wiefrauliebt

Meinen Podcast mache ich seit September 2020. Mir war aufgefallen, dass viele gar nicht genau wissen, was Bisexualität ist, und wie es in einer (offenen) Partnerschaft funktionieren kann. Auch ist mir aufgefallen, dass bi Menschen auf vielen LGBTQ*-Seiten und -Portalen unterrepräsentiert sind. Ich wollte einfach Aufklärung und Sichtbarkeit schaffen. Zudem wurde mir durch die Arbeit als Produktberaterin für Amorelie klar, dass viele Frauen ihren Körper gar nicht richtig kennen. Sexualkundeunterricht war bei den meisten nämlich eher schlecht und ist dann auch schon Jahre her. Auch an dieser Front möchte ich gerne Aufklärungsarbeit leisten.

Die Anfänge

Ich habe mich Mitte 2020 bei Spotify Sound up beworben. Ich habe die Podcast-Idee ausgearbeitet und ein Konzept entwickelt. Angenommen wurde ich zwar nicht, aber der Wille den Podcast zu starten war trotzdem noch da. Ich habe mir also das notwendige Equipment angeschafft und versucht mir alles Nötige selbst beizubringen. 

Wasfrauliebt am Podcast aufnehmen

Ich liebe es mich mit den Themen auseinanderzusetzen, tiefer in die Materie einzusteigen, Sachen zu recherchieren. Ich lerne jedesmal selbst Neues dazu und das finde ich super faszinierend. 

Bei meinen Freunden kommt der Podcast übrigens super an. Sie geben mir regelmäßig Feedback oder schlagen Themen vor. Meine Mutter hat auch schon ein paar Mal reingehört. Das ist mir dann aber doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Eltern müssen jetzt auch nicht alles wissen.

Mein Rat an dich und mein früheres Ich:

Man sollte sich selbst gegenüber offen sein und einfach mal ausprobieren. Danach weiß man immer am besten, ob es einem gefällt oder nicht. Und man sollte diese Checkliste der Sexualität aus seinem Kopf rauswerfen. Nach dem Motto: Ich kann ja nicht bisexuell sein, weil ich nicht mit mehreren Geschlechtern geschlafen habe oder eine Beziehung geführt habe. Das ist nämlich Quatsch.

Wenn du noch mehr über Anna erfahren möchtest, folge ihrer Instagram-Seite @Wiefrauliebt oder höre mal in ihren Podcast rein! Dir hat diese Story gefallen? Dann erzähl uns deine Geschichte! Von dir erzählt. Von uns geschrieben. Melde dich jetzt bei uns: @yestoeveryone auf Instagram oder via E-Mail info@yestoeveryone.de