Mal Männlein, mal Weiblein

Deine Geschichte. Von dir erzählt. Von uns geschrieben.

Lea ist 28 und genderfluid. Er/Sie mag Metal, Fußball, Autos, aber eben auch Make-Up. 

DAS IST MEINE GESCHICHTE

“Mach, worauf du Spaß hast und nicht, was zu deinem Geschlecht passt!”

In der Grundschule fing’s an

Schon als Kind habe ich mich mädchenhafter verhalten als die anderen Jungs. Dafür wurde ich häufig gemobbt. Ich habe einfach nicht in dieses stereotypische Bild reingepasst, wie man als Mann zu sein hat. Und tue es auch heute nicht. Lange Zeit habe ich meine feminine Seite unterdrückt. Mit 20 wollte ich sie dann endlich ausleben. Ich habe mich bei Freundinnen geoutet, um Ratschläge zu erhalten. 

Ich bin ich

Ich wechsle zwischen dem männlichen und weiblichen Pronomen, je nachdem, welcher Teil von mir gerade überwiegt. Mit geschlechtsneutralen Pronomen konnte ich mich noch nie so richtig identifizieren. Ich bin biologisch männlich und fühle mich zu Frauen hingezogen, jedoch vermeide ich im Bezug auf mich selbst das Wort “heterosexuell”, da ich eben doch eine starke weibliche Seite an mir habe. Ich bevorzuge “gynophil”.

Geoutet?

Ich bin teilweise geoutet. Meine Freunde, Freundin und Eltern wissen Bescheid. Jedoch wird es von meinen Eltern eher toleriert als akzeptiert. Damit kann ich aber gut leben. Ich habe auch kein Problem mit Frauen oder Personen aus der LGBTQ+ Community darüber zu sprechen. Aber bei heterosexuellen Cis-Männern ist das anders. Das Mobbing aus meiner Jugend lässt mich zu ihnen schwerer Vertrauen fassen. Es ist nun mal eine Tatsache, dass es dieses Idealbild der Männlichkeit gibt, und ich möchte nicht von Männern, die dieses Ideal bedienen, angefeindet werden, nur weil ich eben dort nicht reinpasse. Es stört mich schon, dass Frauen heutzutage Männerkleidung tragen können und ich als Mann in Frauenkleidung, wenn ich Glück habe, “nur” belächelt werde.

Es muss nicht schrill sein

Auch wenn ich gerne Frauenkleidung trage, mag ich es nicht direkt extravagant und schrill. Viele haben da direkt das Klischee im Kopf, dass man dann auch mal rumläuft wie eine Drag Queen. Ich möchte aber natürlich-feminin aussehen. Dafür hole ich mir häufig Passingtipps bei Transfrauen, aber das, was bei denen die Hormone regeln, fällt bei mir natürlich weg. Es ist also nicht immer ganz einfach. 

Mein Rat an dich und mein früheres Ich

Hobbys sagen nichts über das Geschlecht aus. Ich liebe Fußball und Autos, höre Metal, spiele Pen-and-Paper-Rollenspiele. Alles vermeintliche Männerdomänen. Und dennoch ist das weibliche Geschlecht ein wichtiger Teil von mir und ich trage regelmäßig Frauenkleider. Mach, worauf du Spaß hast und nicht, was zu deinem Geschlecht passt.

Meinem früheren Ich und vor allem den Jüngsten unter den Lesern würde ich raten: Trau dich, es schon als Kind auszuleben. Es ist später nicht einfacher, sondern eher schwieriger. Wenn ein Junge mal als Mädchen rumläuft, geht das als Verkleidung durch, selbst wenn es keine ist. Und an alle anderen: Es ist nicht schlimm, wenn man nicht weiß, ob man Mann oder Frau ist. Man kann auch beides und damit glücklich sein.

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