Lesbisch mit 36

Deine Geschichte. Von dir erzählt. Von uns geschrieben.

Jasmin ist 39, eine lesbische cis-Frau und das erste von zwei Mitgliedern vom Podcast WeiblichWeiblich. Ihre Küche muss immer sauber sein, erst recht beim Essen.

DAS IST MEINE GESCHICHTE

“Das war so eine elektrisierende Spannung, dass es uns beide umgehauen hat.”

Coming-Out

Ich hatte mein Coming-Out erst mit 36. Ich konnte es mir ganz lange nicht eingestehen. Ich habe es alles so sehr verdrängt, dass ich mich damit selbst nur veräppelt habe. Das musste ich alles erst einmal aufarbeiten. Gerade das Thema Sexualität war in meiner Familie nie etwas, worüber gesprochen wurde. 


Ich kam überhaupt nicht auf die Idee, dass ich homosexuell sein könnte. Ich wusste immer nur, dass ich anders bin. Ich kam nur nie darauf, dass es sein kann, dass ich lesbisch bin. Es war ganz normal, dass man hetero ist. Ich muss aber auch sagen, dass ich da auch nie in Mädchen verknallt war. Ich hätte es aber schon merken können — denn es gab Momente, wo bei mir alles stehen geblieben ist, wenn ich eine Frau gesehen habe. Ich habe es nur einfach nie verstanden. 

Ich war mit einem Mann verheiratet 

Beim eigentlichen Coming-Out war ich mit einem Mann verheiratet. Die Trennung hatte nichts mit meiner Homosexualität zu tun, aber kurz nach der Trennung habe ich eine Frau kennengelernt, mit der aus Freundschaft dann irgendwann mehr wurde. Sie war da genauso wenig drauf gefasst wie ich. Das war so eine elektrisierende Spannung, dass es uns beide umgehauen hat. Ich hatte mich gefragt, ob das nur ein Ausrutscher war oder ob ich vielleicht lesbisch sein könnte. Da ging dann erstmal eine Entdeckungsreise für mich los. Dadurch habe ich dann gemerkt, dass ich wirklich lesbisch bin. 

Reaktion meiner Eltern

Ich habe mich danach sehr schnell in meinem Freundeskreis geoutet — das war super schön. Sie haben mich alle bestärkt, mich darin bestätigt und sich für mich gefreut. Zuletzt habe ich es meinen Eltern gesagt, etwa nach anderthalb Jahren. Ich hatte total Angst davor, wie sie darauf reagieren würden. Meine Eltern sind schon ein bisschen älter. Sie sind zwar nicht homophob, aber schon deutlich reserviert bei dem Thema. Mein Vater dachte erst, ich möchte ihn veräppeln. Ich hab es beiden dann später noch einmal gesagt und sie haben es erst einmal nicht so gut angenommen. So langsam robben sie sich aber an das Thema ran. Sie tun es aber immer noch als Phase ab. Langsam, aber sicher wird das aber. 

Erfahrungen

Bei meinem Coming-Out würde ich nichts anders machen. Ich habe es Leuten erzählt, denen ich vertraue. Aber ich würde mir selbst raten, damit mutiger umzugehen. Vor allem, weil man sich dafür nicht schämen muss — und Scham und Angst war ganz lange ein großes Thema bei mir. Ich habe dabei auch schon krasse Diskriminierung erfahren, besonders mit meiner Partnerin und Podcast-Partnerin Annabell, die eine absolut liebevolle Persönlichkeit hat. Wir wurden hasserfüllt angeschrien und angespuckt. Alle um uns herum haben zugeschaut. Das hat mich ziemlich wütend gemacht. Seitdem und deshalb engagieren wir uns bei L-Support in Berlin: So ein Verhalten muss nämlich aufhören. Homosexuelle Paare erfahren so oft Gewalt, das ist nicht in Ordnung. 

Mein Rat an dich und mein früheres Ich:

Lernt euch selbst kennen, euch und euren Körper. Lernt eure Sexualiät kennen. Schämt euch nicht. Seid, wer ihr seid. Seid sichtbar. Homosexualität, bringt das auf die Straße. Die Leute sollen das sehen. Macht es zur Normalität. 

Wenn du noch mehr über Jasmin erfahren möchtest, folge ihrer Instagram-Seite @weiblichweiblich oder höre mal in den Podcast WeiblichWeiblich rein! Dir hat diese Story gefallen? Dann erzähl uns deine Geschichte! Von dir erzählt. Von uns geschrieben. Melde dich jetzt bei uns: @yestoeveryone auf Instagram oder via E-Mail info@yestoeveryone.de