Ich stehe dazu, wer ich bin

Deine Geschichte. Von dir erzählt. Von uns geschrieben.

Lukas ist 21 Jahre alt und ein Transmann. Er macht bei Getränkedosen stets die Laschen ab und wirft sie in den Drink – auch auf die Gefahr hin zu ersticken

DAS IST MEINE GESCHICHTE

„Wenn ihr wisst, wer ihr seid oder wen ihr liebt, dann lebt so! Das Leben ist einfach zu kurz, um unglücklich zu sein!“

Ärger in der Pubertät

In der Pubertät fing es an, dass ich mit meiner Brust nicht klar kam. Ich versuchte sie zu verstecken, dachte aber, das wäre normal, schließlich verändert sich in dieser Zeit einiges. Viele haben beim Heranwachsen ein verschlechtertes Verhältnis zum eigenen Körper. Doch irgendwann fühlte ich mich auch nicht mehr wohl, als man mich mit „meinem“ Namen ansprach oder meinem Nachnamen ein  „Frau“ voranstellte. Das Verhältnis zu meinem Körper wurde immer schlechter und ich fing an ihn wirklich zu hassen. Ich wollte nicht mehr, dass man das weibliche Geschlecht mit mir in Verbindung bringt.

Mein Outing

Ich bin komplett geoutet. Zuerst outete ich mich bei einigen wenigen auf dem CSD 2018 in Hamburg; der Rest kam mit der Zeit. Anfangs wusste ich nicht, wie ich die Sache Menschen klar machen sollte, die nicht wissen, was Transgender überhaupt sind bzw. die so etwas nicht nachvollziehen und fühlen können. Ich sammelte Mut, indem ich viel mit meiner Freundin, mit der ich heute seit fast drei Jahren zusammen bin, und anderen Transgendern sprach – es war einfacher, mich bei ihr und engen Freunden zu outen.

Etwas anders war es bei meinen Eltern und dem Rest der Familie. Ich habe es nicht allen zur gleichen Zeit erzählt, sondern über einen etwas längeren Zeitraum verteilt und unter vier Augen. Trotz Angst, dass es jemand vielleicht nicht akzeptieren könnte, lief das Outing gut.

Meiner Berufsschulklasse schrieb ich es in die WhatsApp-Gruppe und mit den Lehrern sprach ich darüber. Es war für niemanden problematisch. Mit meinem Ausbilder hatte ich gesprochen und meinen Kollegen erzählte ich es später dann auch. Alles in allem war das Outing doch überraschend easy.

Was kam danach?

Die Reaktionen von fast allen waren positiv. Natürlich gab es auch häufiger mal Sprüche wie „Das ist bestimmt nur eine Phase“, aber dennoch wurde akzeptiert, dass die Situation jetzt so ist, wie sie eben ist. Ich habe mich, mit der Hilfe meiner besseren Hälfte, um einen Therapieplatz gekümmert. Nach 14 Monaten bekam ich das Indikationsschreiben für Testosteron.

Ich stehe zu mir

Anfangs war es natürlich nicht ganz leicht, mit der Situation cool zu sein. Mit der Zeit kämpft man einfach nur noch, um in seinem Leben richtig anzukommen und die Person sein zu können, die man eben ist und schon immer war.

Ich wurde von zwei Personen, die eigentlich hätten professionell bleiben müssen, stark diskriminiert. Man sagte zu mir, dass ich, nur weil ich meinen Namen nicht mag, nicht einfach einen anderen Namen aussuchen und in Bewerbungsunterlagen reinschreiben kann. Das war alles andere als schön.

Inzwischen bin ich es gewohnt, mit anderen über die Situation zu reden. Ich stehe dazu, wer ich bin. Und ich möchte Menschen die Chance geben, sich mit dem Thema genauer zu beschäftigen, sodass sie es wirklich verstehen und keine Missverständnisse oder Fragen aufkommen.

Mein Rat an dich und mein früheres Ich:

Jeder sollte so sein, wie er oder sie eben ist. Man sollte sich nicht verstecken, erst recht nicht, nur weil man an Familienmitglieder oder Freunde denkt. Man liebt jemanden doch als Mensch und nicht als männlich, weiblich oder divers. Wer euch nicht so akzeptiert, wie ihr seid, der ist einfach nie richtig euer Freund gewesen. Und macht euch deswegen nicht kaputt. Wenn ihr wisst, wer ihr seid oder wen ihr liebt, dann lebt so! Das Leben ist einfach zu kurz, um unglücklich zu sein!

Wenn du noch mehr über Lukas erfahren möchtest, folge seiner Instagram-Seite @luukas.khl oder seinem TikTok @derluukas! 
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